Neu definierter Berufsauftrag

Anstellung

Alternierendes Wochenpensum

Können zwei Lehrpersonen, die mit derselben Primarklasse arbeiten, jeweils den Mittwochmorgen alternierend unterrichten?

Nein (Ausnahme Kindergartenstufe)

Auch unter dem neu definierten Berufsauftrag ist ein alternierendes Wochenpensum nicht möglich. Der Begriff „Zahl der wöchentlichen Pflichtlektionen“ (§ 19 aLPG) wird zwar verschwinden. Weiterhin ist aber der Begriff „Wochenlektion“ zu finden (§ 7 nLPVO). Inhaltlich sagt dieser Begriff dasselbe aus.

Zudem ist in § 7a Abs. 2 LPVO (bisher § 7a Abs. 4 LPVO) der alternierende Unterricht für die Kindergartenstufe festgehalten. Wäre der alternierende Unterricht generell möglich, wäre diese Ausnahmebestimmung nicht mehr nötig. Daraus folgt im Umkehrschluss, dass auf den übrigen Schulstufen der alternierende Unterricht ausgeschlossen ist.

Ein gleicher Umkehrschluss kann auch aus § 26 Abs. 1 und 2 LPVO gezogen werden. Einzig für die Kindergartenstufe ist in § 7a Abs. 2 LPVO (bisher § 7a Abs. 4 LPVO) der alternierende Unterricht festgehalten.

Anstellungsverfügung

Erhält jede Lehrperson auf den 1.8.2017 eine neue Anstellungsverfügung?

Änderungen der Anstellungsgrundlage müssen verfügt werden. D.h. jede Lehrperson erhält von der Schulpflege eine neue Anstellungsverfügung.

Bei den Lehrpersonen an Regelklassen der Kindergartenstufe ändert sich neben dem Beschäftigungsgrad auch die Lohnkategorie. Sie werden neu in der Lohnkategorie II (LR 09.03) eingereiht. Diese Lohneinstufung wird durch das VSA verfügt.

Kommunale Lehrpersonen (DaZ, Therapie, etc.)

Unterliegen kommunale Angestellte auch dem neu definierten Berufsauftrag?

Kommunal angestellte Lehrpersonen sind dem kommunalen Personalrecht unterstellt. Viele Gemeinden lehnen sich aber in ihrem kommunalen Personalrecht an das kantonale Lehrpersonalrecht an. In diesen Gemeinden gilt für die kommunal angestellten Lehrpersonen ebenfalls das neue Jahresarbeitszeitmodell. Hat die Gemeinde eine eigenständige Regelung in ihrem Personalrecht formuliert, geht diese vor. Unterrichtet eine Lehrperson sowohl im Bereich Regelklasse als auch im DaZ-Aufnahmeunterricht und gilt für den kommunalen Bereich auch das neue Jahreszeitmodell, können bezüglich Arbeitszeiterfassung die beiden Anstellungen zusammengefasst werden.

Lehrperson mit Entlastung

Muss eine Lehrperson, welche im Rahmen ihres Lehrerpensums für Schulleitungsaufgaben entlastet ist, zwingend mindestens 60 % des Pensums für den Bereich Unterricht einsetzen?

Ja. Die 60%-Regelung gilt ab 1.8.2017 für alle Lehrpersonen. Entsprechend ist es nicht mehr möglich, eine Person als Lehrperson anzustellen, ohne dass diese Unterricht erteilt.

Neuer Beschäftigungsgrad (BG)

Wird der Beschäftigungsgrad zukünftig weiterhin mit Kommastellen angegeben?

Nein.

Der BG wird nur noch in ganzen Prozent angegeben. Es wird auf das nächste ganze Prozent aufgerundet. Bsp: 81.48 % wird zu 82 %.

Auf der Kindergartenstufe wird der neue BG in zwei Schritten berechnet:
1. Schritt: Heutiger Beschäftigungsgrad x 88 % = Neuer berechneter Beschäftigungsgrad.
2. Schritt: Neuer berechneter Beschäftigungsgrad wird aufgerundet.

Bsp:
91.30 % (21 WS)
1. Schritt: 91.30 % * 88 % = 80.34 %
2. Schritt: 80.34 % wird auf 81 % aufgerundet

Nichtbetriebsunfallversicherung

Heute sind Lehrpersonen ab 5 Lektionen automatisch gegen Nichtbetriebsunfälle versichert. Wie sieht das zukünftig aus?

Unter dem neudefinierten Berufsauftrag werden Lehrpersonen ab einem Beschäftigungsgrad von 20 % gegen Nichtbetriebsunfälle vom Arbeitgeber versichert. Bei kleinerem BG muss die Lehrperson selber für die Versicherung sorgen.

Pensenänderung, Abfindung

Für eine Fachlehrperson stehen weniger Lektionen als bisher zur Verfügung. Wie muss die Schulleitung vorgehen?

Ausgangslage ist der neu festzulegende Beschäftigungsgrad. Daraus ergibt sich zusammen mit dem persönlichen Ferienanspruch die jährliche Netto-Arbeitszeit. Diese ist auf die verschiedenen Tätigkeitsbereich aufzuteilen.

Wenn für eine Fachlehrperson nur eine begrenzte Anzahl Wochenlektionen zur Verfügung steht, kann dies bedeuten, dass für die übrigen Tätigkeitsbereichen überdurchschnittlich viel Arbeitszeit zur Verfügung steht. In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob es möglich ist, der Fachlehrperson mit Zuweisung von Arbeiten die vorgesehene Netto-Arbeitszeit "aufzufüllen".

Falls dies nicht möglich ist, kann eine Änderungskündigung aus schulorganisatorischen Gründen ins Auge gefasst werden. In diesem Fall prüft das VSA eine Abfindung und richtet eine solche aus, wenn die Bedienungen dazu gegeben sind.

R&K als 29. Lektion der Lehrperson

Etliche Mittelstufenlehrpersonen, welche für R&K qualifiziert sind, erteilen heute das Fach als 29. Lektion kommunal entschädigt selber. Zukünftig ist kein Pensum mehr möglich, das 100 % übersteigt. Wie sollen die Schulleitungen in dieser Situation vorgehen?

Der neu definierte Berufsauftrag setzt bezüglich Arbeitszeitmodell auch ein neues Denken voraus. Zunächst gilt der Grundsatz, dass keine Lehrperson mehr als 100 % unterrichtet. Soll eine Lehrperson zusätzliche Lektionen übernehmen und damit im Tätigkeitsbereich Unterricht mehr Arbeitsstunden leisten, muss in einem anderen Tätigkeitsbereich der Umfang so reduziert werden, dass die vorgesehene Arbeitszeit mit der zu leistende Netto-Arbeitszeit übereinstimmt. Bei Lehrperson unter 50 sollte dies kein Problem sein, da der theoretisch errechnete Flex-Teil 68 Arbeitsstunden ausmacht. Damit kann eine weitere Lektion (58 Arbeitsstunden) zugewiesen werden. Eine grössere Herausforderung ergibt sich bei den über 50jährigen Lehrpersonen. Dabei ist allerdings auch darauf hinzuweisen, dass sich die Lehrerverbände sehr dezidiert dafür ausgesprochen haben, dass die Erweiterung des persönlichen Ferienanspruchs in Form einer Reduktion des Unterrichtspensums erfolgen soll. Letztlich wird es Aufgabe der Schulleitung sein, mit der betroffenen Lehrperson eine sinnvolle Lösung zu finden, ohne dass der Lehrperson ein Beschäftigungsgrad von mehr als 100 % zugeordnet wird.

Therapeutinnen und Therapeuten

Gilt der neue Berufsauftrag auch für die Therapeutinnen?

Therapeutinnen sind kommunal angestellte Personen. Entsprechend gilt das kommunale Personalrecht. Wird bezüglich Arbeitszeitmodell auf das Lehrpersonalrecht verwiesen, gilt auch für diese Berufsgruppe der neu definierte Berufsauftrag. Sind im kommunalen Personalrecht Bestimmungen zur Arbeitszeit zu finden, gelten diese. So ist beispielsweise davon auszugehen, dass weiterhin das bisherige Arbeitszeitmodell gilt, wenn im kommunalen Personalrecht festgehalten wird, dass das Vollpensum der Therapeutinnen 28 Wochenlektionen beträgt.

Vikariat zusätzlich zu Festpensum

Darf eine Lehrperson, die zusätzlich zu ihrem Teilpensum ein Vikariat übernimmt, zusammen kurzfristig 100 % Beschäftigungsgrad überschreiten?

Ja. Eine Obergrenze existiert in diesen Fällen nicht, da in erster Linie für die Schule eine sinnvolle Lösung gefunden werden soll. Eine solche Lösung ist aber als Ausnahme zu verstehen und soll nur für eine kürzere Zeit eingerichtet werden. Die Lehrperson darf nicht längere Zeit überlastet sein. Es darf keine offensichtliche Umgehung der Regelung zum Maximalpensum 100 % bestehen.